Hören, warum es schreit

Das elektronische Kästchen Why Cry analysiert das Weinen von Babys

Was gäbe die Mutter darum zu wissen, warum ihr Baby gerade schreit. Vor allem in den ersten Wochen und Monaten, wenn junge Eltern noch wenig Erfahrung im Umgang mit dem Neugeborenen haben, wären sie für jede Interpretationshilfe dankbar. Die können sie jetzt haben. Der Baby-Spezialist Reer (Telefonnummer 0 71 52/9 28 52-0) hat ein Gerät entwickelt, das anzeigen soll, was dem Kind fehlt. Dazu hat er das Weinen und sonstige Unmutsgeräusche von rund 500 Babys aller Nationalitäten studiert und danach ein Modell entwickelt, das fünf Arten von Weinen unterscheidet. Die Gründe dafür sind Hunger, Müdigkeit, Langeweile, Unwohlsein/Schmerz sowie Streß. Aus der Frequenz, der Lautstärke und den Intervallen entsteht ein elektronisches Signal, das nach den programmierten Parametern interpretiert und vom Gerät angezeigt wird.


Das Kästchen mit dem passenden Namen "Why Cry" wird dazu in der Nähe des Kindes angebracht, die optimale Entfernung hängt von der Größe des Kindes ab und ist auf der Vorderseite abzulesen. Wenn das Kind anfängt zu schreien, beginnt ein Lämpchen zu blinken als Zeichen dafür, daß das Gerät seine Arbeit aufgenommen hat. Nach etwa 20 Sekunden kann eine Analyse erfolgen, dann leuchtet auf dem Display, auf dem fünf Gesichter für die fünf Schrei-Ursachen abgebildet sind, das betreffende auf.

Wir haben Why Cry einige Monate mit dem ersten Enkel erprobt und waren erstaunt über die Übereinstimmungen. Da er bereits fünf Monate alt war, hatte die junge Mutter schon eigene Erfahrungen mit der Art des Schreiens gesammelt, sie konnte daher das Gerät mit ihren Beobachtungen vergleichen. Hunger und Müdigkeit waren die häufigsten Ursachen des Weinens, und die hat das Gerät immer richtig angezeigt. Auch wegen Unwohlseins und Langeweile machte sich der Kleine bemerkbar, ebenfalls mit einem hohen Grad an Übereinstimmung. Unsere Erfahrung ist, daß der elektronische Babysitter zuverlässig anzeigt, wenn es nur eine einzige Ursache für das Weinen gibt, etwa Hunger oder Langeweile. Wenn dagegen mehrere Gründe zusammenkommen, etwa am Abend Hunger, Müdigkeit und noch ein bißchen Zahnweh, dann hat das Gerät Probleme. Es braucht minutenlang für eine Analyse und zeigt dann mal das eine, mal das andere Symbol an, manchmal teilt es einfach "error" mit, um auszudrücken, daß es momentan ratlos ist. Auch sollten in dem Raum keine weiteren Stimmen (Radio) zu hören sein, zu laute Umgebungsgeräusche können zu falschen Aussagen führen. Der Hersteller kann mit eindrucksvollen Versuchsreihen und hohen Trefferquoten aufwarten.

Why Cry ist für junge Eltern eine Hilfe, mit der sie schneller lernen können, die Befindlichkeiten ihres Kindes, das sich ja nur über die Art des Weinens ausdrücken kann, zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Das batteriebetriebene Gerät ist für 98 Euro im Fachhandel zu haben.

MONIKA SCHRAMM

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2004, Nr. 262 / Seite T6


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